Blog-Umzug

Liebe Freunde!
Gerade habe ich meinen neuen Post hochgeladen, ein Post über Märchen und the bright side of life. Aber den hab ich gleich wieder eingesteckt in meine Post-Liste, unveröffentlicht (obwohl man ihn im Reader wohl doch noch lesen kann, wie mir Anja mal verraten hat. Spart euch eure Gedanken dazu doch einfach mal auf für mich- und schreibt sie mir dann unter meinem „Bright side“-Post, wenn ich ihn wieder veröffentliche…). Denn was ich beim Ansehen meines Blogs hier vorfinde, schockiert mich ziemlich: Ein neues, ziemlich blödes Layout, das Blogger heimlich, still und leise über Nacht installiert haben muss… Nicht schön.
Ein Grunde mehr, von hier weg zu ziehen, finde ich, und lasse „Kirschkernzeit“ für ein paar Tage hier ruhen, so wie sie ist, in ihrem neuen, provisorischen Outfit (obwohl mir das unangenehm ist, muss ich zugeben…). 
Derweil bastel ich an „Kirschkernzeits“ neuem Zuhause… Und melde mich wieder mit dem neuen Link und hoffentlich einem schönen, frischen Plätzchen in Bloggerlandien für mich und für euch.
Bis dann- bei Kirschkernzeit in WordPress!
liebe Grüsse
eure  Frau Bora Kirschkernzeit
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Frühlings-Sommer-Herbst-Grün

Der Herbst scheint still zu stehen. Mitten in der Bewegung. Es ist kühl und grau und nass und alles drängt sich in eine einzige Richtung: Zum Ende hin. Zum Finale.
Die Bäume stehen bereit, ich kann es sehen, ich kann es riechen, wenn ich die kalte, frische Luft einatme: leicht modrig und immer irgendwie „warm“ vor lauter überrreifen Blättern, die sich von ihren Ästen los zu machen versuchen für ihren ersten und letzten Flug über die Landschaft. Hie und da ein bisschen Laub, säuberlich neben die Wege gewischt, oder in den Gärten wild verstreute, kleine Farb-Tupfer auf dem Rasen, die es noch nicht wert waren, zu Haufen zusammen geharkt zu werden. Die meisten Bäume scheinen auf irgendetwas zu warten, auf ein Signal vielleicht, das ihr Feuer-Werk an Herbstlaubtönen losgehen lässt…
Im Moment gibt es den gelben kleinen Haselnuss-Busch im Garten meiner alten Nachbarin und ein paar knorrige, fast schon kahl gewordene Kastanien beim Schulhaus, aber sonst sehen die Baumkronen hier noch wenig herbstlich aus. 
Das Feuerwerk lässt auf sich warten.
Die Tage sind gerade ziemlich grau. Der Himmel sieht aus wie ein schmutziges Schaf, und am Boden liegen dicke Pfützen. Die Erde klebt schwer und dunkel an den Schuhen, und ich merke, dass ich mir immer neue Ausreden einfallen lasse, um nicht nach draussen gehen zu müssen, so als wäre ich ein kleines Kind, das lieber drinnne mit seiner Puppenküche spielen will, als draussen im Matsch zu wühlen. (Was meine Kinder zum Glück ein wenig anders sehen. Zumindest manchmal.)
Ab und zu entdecke ich eine letzte Blüte. Und jedes Mal schwanke ich zwischen dem Wunsch, sie zu pflücken und mit nach Haus zu nehmen, und der lächerlichen Ehrfurcht vor der Kraft und dem Überlebenswillen, den eine so kleine Pflanze an den Tag legen muss, um dem nahenden Ende so lange so tapfer zu trotzen…
Manchen Blumen kann man allerdings nicht widerstehen …
Ich liebe Blumen. Alle. Ich glaube, wenn ich die Wahl hätte zwischen  einem Gemüse-und einem Blumengarten, dann würde ich, ohne zu zögern, die Blumen wählen. Diese Farben, dieser Duft, ihre einfach makellose Schönheit, an der selbst das allerkleinste Detail einfach stimmt  … diese ganze Bandbreite an Perfektion und Sinnlichkeit, zieht mich unheimlich an.
Und irgendwie spüre ich jedes Mal einen kleinen Stich im Herzen, wenn ich eine weitere letzte Blüte an ihrem leer gewordenen Stengel finde.
Wenn die Blumen sterben, könnte man meinen, der Welt ginge das Licht aus. Und die Farben. 
Aber das stimmt nicht ganz, denn eine Farbe bleibt, eine tapfere, unscheinbare, aber gewaltig starke und hoffnungsvolle Farbe, ein Seelentröster und Hintergrund-Maler, ein kleiner Künstler in allen Bereichen …

Grün!
Ich habe viele Lieblingsfarben, und sie tauschen auch andauernd ihre Rangordnung untereinander, gerade wie Stars beim Tennis oder Fussball, aber Grün liegt  mir schon am Herzen seit ich ein junges Mädchen war. (Es gab sogar eine Phase, da wählte ich im Hand-Arbeits-Unterricht alles in Grün: Nadelkissen, Sockenwolle, den Stoff für meinen Turnbeutel, mein erstes selbst-designtes Kreuz-Stich-Sujet: ein hellgraues Kaninchen in einer dunkelgrünen Wiese). 
Im Moment fühle ich mich wieder ganz besonders stark zu dieser Farbe hingezogen. Ich spüre, dass es mir gut tut, zwischen den Nebelschwaden und dem vor sich hin welkenden Bunt auf etwas blicken zu können, das noch eine Weile beständig bleibt. Auf frisches Gras und das satte Grün der Nadelbäume zum Beispiel. 
Ich finde, Grün schmeichelt der Seele. Es ist mein Hoffnungs-Träger.

Möglich, dass ich darum meine Näh-Sachen hervor kramte letztes Wochen-Ende. Ein Projekt mit sehr viel Grün und ein paar freundlichen, frohen Sonnen- Blumen-Farben-Klecksen, die mich an den frischen Herbst erinnern, wenn er noch jung ist, die ersten Äpfel reifen und die Sonnenblumen ihre Köpfe sehnsüchtig in den Himmel strecken.

Und in einer wahren kreativen Heisshunger-Attacke begann ich zu nähen. Nicht besonders lange, denn das meiste lag schon seit Monaten vorbereitet in einer Schublade, aber für einmal ganz besonders innig.

Es war wie … Auftauchen. Wie zu mir selbst finden. Dieses Schneiden und Zusammensetzen, das Rattern der Maschine und die Nähte, die unter ihr zum Vorschein kamen; Das Sichtbarwerden meiner Arbeit, meiner Gedanken und Vorstellungen in einem kleinen Log Cabin Kissen …
Irgendwie wunderbar, das.

Die Rückseite ist ganz und gar in leuchtendem Gelb gehalten. Kraftvolle Blumen noch und noch, verbunden mit Kindheits-Erinnerungen, die mir ein warmes, gutes Gefühl in den Bauch zaubern, denn dieser Stoff tauchte -in Form von Bettwäsche- während meiner Kindertage wohl ständig irgendwo auf, verbunden mit so schönen Assoziationen wie „Schlaf“ und „Kuscheln“.
Gelb gehört wohl auch zu den Farben, die mir zur Zeit einfach unheimlich gut tun (obwohl ich Gelb früher eigentlich gar nicht so gern mochte). Zusammen mit Grün. Meinem Frühling-Sommer-Herbst-Grün, das ich mit in den Spät-Herbst nehmen werde, wenn der Startschuss fällt und die Wälder ihr Finale in allen Farben, die sie kennen, feiern. Und mit in einen nebelgrauen, mystischen November, in dem ich Laternen anzünde, weil ich mich nach etwas Licht sehne. Und hinein in den Winter, wo die Kälte nicht zu spürbar, sondern auch sichtbar sein wird.

Frühlings-Sommer-Wintergrün auf meinem Sofa,
beständig fröhlich und besänftigend gelassen in allen Zeiten des Jahres … 

Fühlt sich irgendwie gut an.
PS. Was, diese Stoffe kommen euch alle bekannt vor? Ihr habt völlig Recht; mein Frühlings-Blumen-Quilt und meine Log Cabin-Quilt-Tischdecke kann man tatsächlich ganz deutlisch in diesem Kissen erkennen. Und auch mein allererstes Patchwork-Kissen, das ich damals nur für mich allein genäht hatte und das wirklich fast schon aussieht wie ein Zwilling. Meine Liebe zu Grün geht wohl noch tiefer als ich dachte …

Wochen-Ende

 … wunderbar farbenfrohe, kuschelweiche Kinder-Kleider aus dem tiefsten Frankreich hier zuhause in der mausgrauen Schweiz auspacken und mich freuen wie Winnie Pooh über einen Topf Honig (danke, Schwesterherz! Je suis très enchanteé)…
 … beim Brocki eine Bekannte treffen und von ihr mit alten Schätzen beschenkt werden, die sie nicht mehr haben will, aber ich, oh, ja, ich selbstredlich mit Handkuss mit nach Hause nehme (wo zB. dieser Messing-Kerzenständer bestens hin passt, zu den …ähm… anderen fünf Stück in meinem Regal… Aber Kerzen und Kinder, davon kann man nie genug haben, richtig? Das war jetzt nicht ganz so ernst gemeint.)
 … kranke Menschen mit kranken Bäuchen mit Ruhe, Comics und frischer Bettwäsche versorgen und auch mich und den gesunden Rest der Familie dick einmummeln (denn es ist kalt hier!), bei einem Kaminfeuer, das von Morgen bis Abend prasselt, Bananenmilch und gefühlten 200 Vor-Lesestunde mit Donald Duck …
 … das Kuschelbärchen beim Sonnenbaden erwischen und merken, dass ich mich – trotz meiner  leidenschaftlichen Liebe zum Herbst– insgeheim auch nach ein bisschen Sonne, Strand und la dolce vita sehne. Manchmal jedenfalls. Nach einer Runde Kranken-Nacht-Wache mit Putzeimer und einer Waschmaschine im Dauereinsatz wahrscheinlich ganz besonders. Zudem; habe ich schon erwähnt, wie kalt es ist? …
 … Bücherstapel hervor holen und – angetrieben von einem wahren kreativen Heisshunger– wie verrückt darin blättern. Ohne etwas zu finde, das alle zu begeistern vermag, leider, und was ich mir wünsche  gerade ist gemeinsam gelebte Kreativität. Ein Familien-Projekt. Aber ich bleibe dran. Vielleicht springt der Funke ja noch über… wenn ich jeden Tag beim Frühstück, Zmittag und Znacht mit statt Teller Bastelbücher auftische, als Häppchen sozusagen. Oder anstelle von Donald-Comics Bastel-Anleitungen vorlese, hihi …
… meinen kreativen Appetit (ich bin einfach zu ausgehungert zur Zeit) mit ein bisschen stiller Näh-Zeit spätnachts stillen, ganz für mich allein. Die Wirkung ist verblüffend: Ich fühle mich besser, lebendiger und gleichzeitig wie … besänftigt, wenn ich es schaffe, meinem kreativen Selbst seinen Platz in meinem Alltag frei zu schaufeln, wenn ich mich und meine Bedürfnisse wichtig genug nehme, um für sie einzustehen und mich selber ermutige, mir einen Teil meiner Kräfte aufzuheben, für die kleinen Momente -mögen sie noch so kurz und spät am Tag erst möglich werden- in denen ich mich dem widmen kann, wonach ich mich sehne
… in der Zischenzeit meine grossen und kleinen Projekte überall im Haus verteilen und mir geduldig immer wieder selber erklären, dass das keine Unordnung ist, sondern ein wichtiges Mahnmal mit Botschaft: „Carpe diem. Nutze den Tag.“
Dieses Wochen-Ende setzte ich kaum einen Fuss vor dir Tür. Ich wusch fünf Ladungen Wäsche, stand 10 Mal auf, um meinem Sohn den … Eimer… zu leeren und ihm mit einem feuchten Lappen das Gesicht zu kühlen und schlief schlussendlich am Fuss-Ende unseres Bettes wieder ein, weil ich so k.o. war. Ich sehnte mich nach kreativen Ausdruck, nach Leidenschaft und nach sichtbaren Resultaten. Ich kuschelte mich ein mit meinen Lieben, empfing netten Besuch mit unglaublichen Geschenken, ass französischen Marzipan und stand einen ganze Weile mit einem Abfall-Sack in der Gerümpel-Kammer, weil mich meine neuen Schätze vom Trödler daran erinnert hatten, dass ich wohl doch ein bisschen zu viele Sachen in meinem Haus horte (ausserdem brauchte ich Platz für den neuen Kerzenständer). Ich schrieb zahllose Blog-Posts in meinem Kopf, die alle vom Herbst handelten und von Veränderungen- und von mir, obwohl ich zur Zeit in meinem im-Haus-fixierten Leben gar nicht so viel mitbekomme vom Herbst  da draussen und sich, objektiv gesehen , gar nicht so wahnsinnig viel verändert bei mir (Ich bin nicht schwanger, suche keinen neuen Mann (denn ich liebe meinen alten!), mein Traum-Bauernhaus ist weit und breit nicht in Sicht und überhaupt könnte mein Leben  beständiger nicht sein. Objektiv gesehen…) Ich öffnete nur einmal meinen Laptop. Kurz. Nicht um zu schreiben. Ich dachte ans Haareschneiden und fand Vorhänge für meine kleine Kammer. Ich sortierte Sockenwolle und sah draussen den Nebel übers Land ziehen. 
Es war ein… sonderbares Wochen-Ende. So sonderbar wie mein Leben zur Zeit irgendwie. Aber sonderbar gut. Wie auch immer betrachtet *lach*.
Für diese Woche wünsche ich mir:
  • einen Morgen im Café mit meiner Häkelweste (bald fertig, ihr dürft mit’s glauben)
  • Vorhänge an meinem Kammer-Fenster
  • gesunde, runde Kinderbäuche
  • Wald-Zeit für uns alle (damit ich wieder weiss, wie der Herbst riecht)
  • einen Ausflug mit meinen Lieben, egal wohin
  • kreative Leidenschaft und ein Projekt, das zu mir und dem Moment passt
  • gelassenes Schreiben und Posts, die aus meinem Kopf hinaus in die Welt finden
  • etwas Sonne ab und zu
  • ein frohes, dankbares Herz, denn das Leben ist gut, ehrlich
Und euch wünsche ich eine gute, reiche Zeit,
die ihr pflücken sollt wie reife Äpfel!

zur Zeit

Zur Zeit…

 … sieht die Welt draussen bis weit nach Mittag wie ein Märchen-Land im aus, wo Elfen und Gnome zwischen Baumwurzeln hausen könnten, ohne dass es mich erstaunen würde; der Nebel verwandelt alles, was er anfasst in pure Magie, nicht wahr? Und ich mag diese Art von Magie. Sie ermutigt mich, zu Träumen. Sie zeigt mir, dass man die Dinge -ganz egal wir klar und trivial sie zuerst scheinen mögen- auch mit völlig anderen Augen sehen kann. 
Wenn man will. 
Manchmal gibt es Phasen, da verliere ich diesen Blick für das Gute, das Schöne, das Zauber-Hafte und Einzigartige, das  in jedem Leben steckt, in jeden einzelnen Tag, der mir geschenkt wird. Ich merke, wie die Stunden zerrinnen, mit Tätigkeiten gefüllte Stunden, die ich lebe, aber nicht er-lebe. Und ich fühle mich hilflos, weil ich irgendwie die Verbindung zu dem, was um  mich herum vor sich geht, zu verlieren scheine, weil es immer seltener wird, dass mich etwas innerlich zu berühren vermag…
Der Nebel aber schafft es immer, wirklich immer, mich in Staunen zu versetzen. Wenn ich sehe, wie er alles verschluckt, Landschafts-Bilder, die ich in- und auswendig zu kennen glaubte, ohne zu zaudern verwischt und meiner Fantasie die Erlaubnis erteilt, sich ihre eigene Welt zu erschaffen, dann macht mir das Mut. 
Weil ich daran erinnert werde, dass ich genau das im Grunde auch könnte. Auch ich kann meine Lebens-Landschaft hinterfragen und neu gestalten. Oder aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Immer.
Und wer weiss, vielleicht werden so manche Märchen dann doch noch wahr 😉
Zur Zeit…
 
… habe ich ein Zimmer, das ich jetzt schon liebe, aber kaum je benutze. Weil mir die Freiheit fehlt, mich einzuleben und urplötzlich auch die Gründe, warum ich überhaupt einen Raum nur für mich allein, haben sollte… Obwohl ich mich nach Momenten der Stille und des Friedens sehne, fühle ich mich fast schon zu sehr allein, wenn ich die Türe hinter mir schliesse und in diesem noch immer sehr leeren, kargen Zimmer stehe, dem noch alle Möglichkeiten offen sind. Ich weiss, hier könnte ich alles Mögliche machen. Sogar das Unmögliche möglich. Ich könnte auf dem dicken, weichen Teppich meiner Mama sitzen und einfach beten. In aller Ruhe.

Ich könnte endlich anfangen richtig zu schreiben. Auf ein Ziel hin. Oder wenigstens ein wenig mit Worten und Techniken experimentieren (zum Beispiel mit diesem Buch. Oder diesem hier.), was mich ungemein fasziniert, sich aber nur schwer in meinen Alltag einbauen lässt, wenn nebenbei die Kinder rumoren oder mich mit Fragen löchern (was sie immer tun, sobald ich mich über ein Buch oder die Tastatur meines Laptops beuge).

Ich könnte hier Steine bemalen. Oder stricken und dabei ein Hörspiel laufen lassen.
Ich könnte mich ans Fenster setzen und das Leben auf der Strasse beobachten. Von oben herab, wie ein Adler in seinem Horst.
Ich könnte mir die Finger lackieren und Damen-von-Welt-Zeitschriften lesen *lach*. Aber dazu müsste ich schon ein wenig verrückter werden… Immerhin: Es tut gut, zu wissen, dass ich es könnte. Wenn ich wollte.

Ich glaube, es braucht einfach seine Zeit: Bis ich lerne, mit dem Gedanken, umzugehen, dass ich tatsächlich das Recht habe, mir Zeit und Platz für mich selber frei zu halten. Bis ich herausgefunden habe, wie ich diese neue, unheimliche Freiheit, für mich gestalten kann, was  mir gut tut und was nur Ablenkungsmanöver sind, die meine wahren Bedürfnisse zu verschleiern versuchen.

Und es braucht bestimmt nochmals seine Zeit, bis ich all das dann auch in vollen Zügen geniesse

zur Zeit…
 … schwirren wir wie Bienen durch die Tage, die voll sind wie … wie immer eigentlich.
Wir versuchen, so viel als möglich zu endlich abzuhaken und zu Ende zu führen, was sich anstaut an Projekten. Wie die Waschküche mit stillem Örtchen, die gleich neben einem unserer zwei (!) Eingänge entsteht, und für die mein Mann sogar gelernt hat, wie man überhängende Fensterbänke betoniert…

Kind2 klaubt derweil alle Kerne, die die Spatzen übrig gelassen haben, aus seiner Sonneblume. Als Samen für den nächsten Frühling. Für den nächsten Sommer. Wo der alte doch eben erst zu Ende ging…

Auch ich mache mich ans Abhaken und Verwerten, ziehe Garn aus meinen überquellenden Kisten (die heute schon wieder um 12 Knäuel Sockenwolle reicher wurden), setze mich morgens mit Kaffee und meinen Nadeln an den Tisch, bevor der Tumult so richtig losgeht, und bringe die Wolle zum Leben

Denn die Tage sind Mützen-Tage geworden. Zumindest morgens. Manchmal. Und Strick-Jacken-Tage, wenn man es genau nehmen will. Ich mache nämlich keinen Schritt mehr aus dem Haus ohne meine Strickjacke. Was mir gerade in Erinnerung ruft, dass da noch eine Shalom 2 auf meiner Lieblings-Liste stünde…

Zur Zeit…

… würde ich am liebsten unsere Koffer packen und einziehen. In die Stadtbibliothek. Denn dort gibt es Bücher, massenhaft. Und im Augenblick sehne ich mich nach Büchern, massenhaft. Jedes Mal, wenn ich durch die Gänge schlendere (mit einem zappelnden kleinen Mädchen auf dem Arm, das hier viel lieber verstecken oder wie-viele-DVDs-hoch-kann-mein-Turm-werden spielen möchte *ähäm*) könnte ich versinken in den fremden Welten und den neuen Ideen, die sich zwischen diesen bunten Einbänden verbergen. Eine Schatzkammer voller Inspiration und Geschichten, aus der ich nehmen darf, was immer ich möchte. Es ist wie ein Rausch…

Wenn ich mit vollen Taschen wieder nach Hause zurück kehre und wir uns alle sofort mit einem Stapel neuer Lieblings-Bücher aufs Sofa werfen, dann fühle ich mich so richtig beschenkt, glücklich und dankbar. Das Leben ist so gut zu mir.

Zur Zeit…

… bin ich eine miserable Blog-Leserin, fürchte ich. Ich finde weder die Zeit noch die Energie, um auf Blog-Wanderschaft zu gehen, so sehr ich es auch möchte, und ich glaube, das muss ich einfach so stehen lassen im Moment. Und mich mit diesem dummen, ein bisschen schuldbewussten Gefühl arrangieren, das ich zwar nicht haben sollte (wie ihr mir immer wieder versichert), aber trotzdem nie loswerde.*seufz*
Denn es gibt so viele wunderbare, ermutigende, tiefsinnige und höchst kreative Orte da draussen…

Einer davon ist ganz bestimmt Katobias sehr gefühlvoll und authentisch geschriebener Blog „Zweiplusdrei“, und genau dahin wird Caros „Landleben“ demnächst losreisen, das Glückliche. Mein Mädchen, die Glücks-Fee, hat sich nämlich Katobias Namen aus meiner Comment-Liste ausgewählt und mit wabrigen Strichen eingekreist, was als gezogenes Los gilt sozusagen.

Schön, dass das Wander-Buch jetzt zu dir fahren darf, Katobia!

Zur Zeit ist hier vieles in Bewegung:

Draussen die Natur, die sich schält und einigelt, drinnen eine Familie, die sich enger umeinander schart, je kälter es wird draussen, Räume, die getauscht und eingerichtet werden, und ganz im Inneren, Wünsche und vergessene Sehnsüchte, die immer lauter danach rufe, dass ich mich endlich um sie kümmere…

Zur Zeit ist… es einfach an der Zeit für manches.

Instinkte

Vielleicht liegt es ja am Wechsel da draussen, der mir auf Schritt und Tritt begegnet? Vielleicht ist es die kühle, duftige Herbstluft, die diese Instinkte in mir weckt, Instinkte, die noch aus Zeiten herrühren müssen, in denen wir Menschen unsere Häuser auf einen langen, harten Winter vorbereiten mussten, mit gefüllten Speisekammern, warmen, gut gelüfteten Wolldecken mit gestopften Socken und mindestens einer wollenen Unterhose für jeden.
Gelüftet, geputzt und geordnet wurde an warmen Herbst-Tagen bestimmt lieber und gründlicher als während den kalten Zeiten des Jahres selbst, wo jeder kühle Luftzug drinnen einem schaudern liess, mochte er noch so viel guten, gesunden Sauerstoff mit sich bringen…
 
Ich fühle mich im Moment… wie ein Eichhörnchen. Ein Eichhörnchen, das seinen Kobel von allem zu befreien versucht, das sich irgendwie irgendwann im Laufe des Jahres hinein geschlichen hat, ohne im Grunde einen Platz im warmen Nest, zu verdienen. Ich bin gerade ein Eichhörnchen, das Gutes ansammelt und weniger Gutes aus dem Weg schafft oder einfach am Wegrand liegen lässt, das nistet und nestet, einfach weil es spürt, dass diese Schritte jetzt an der Reihe sind.
Wie gesagt, es müssen Instinkte aus alten Zeiten sein, mit denen ich es hier zu tun habe. Herbst-Instinkte. Denn der Herbst berührt uns uns alle auf die eine oder andere Art und Weise, oder? Er hat Hände wie ein Zauberer und bringt manchmal Seiten in uns zum Vorschein, die wir lange nicht mehr gesehen haben, melancholische Seiten vielleicht, von denen wir dachten, dass es sie gar nicht gäbe in uns, oder beschwingte, die wir uns nicht zugetraut hätten. Hoffnungsvolle vielleicht, die uns aufbrechen lassen zu neuen Ufern, bodenständig Geerdete, die uns mit stiller Freude erfüllen, während wir Tulpenzwiebeln setzen fürs nächste Jahr…
Oder geschäftige Seiten, die einem urplötzlich alle Schubladen und Schränke aufreissen lassen, und einem dazu verführen, Bücher übers Ordnungschaffen zu kaufen *kopfschüttel*…

Ich weiss gar nicht, wie es eigentlich kommt, dass ich mit Jahrhunderte alten Spinnweben kämpfe, Regale leer fege und hochkonzentriert in den Haufen aus Kleidern, Büchern, Bastelsachen knie, nur um eins ums andere in den Händen zu drehen und neue Haufen damit zu schaffen, die Namen tragen wie „Das bleibt“, „Mal sehen“ oder „Weg damit“.
Das Entrümpel-Fieber hat mich gepackt. Mit eisernen Klauen, die sich aber sanft wie Katzenpfötchen anfühlen. Unter diesen Klaunen schafft man mehr, als ich anfangs dachte; Das Wohnzimmer sieht zwar schon wieder aus wie nach einer Kneipenschlägerei, aber wenn man die Schubladen meines Sekretärs aufzieht oder die Schränke der grossen, langen Kommode öffnet, dann wird man nichts als Reinheit und System sehen. Und das ist gut zu wissen. Sehr gut sogar. Das Familien-Chaos lässt sich um einiges entspannter ertragen, wenn man weiss, dass hinter der Fassade doch alles seine Ordnung hat *zwinker*.
Ich merke, wie es mich förmlich runter reisst auf die Knie, zum Hinsehen, Fragen stellen, Entscheidungen treffen. Und die Kraft, die das Aussortieren, vor allem das Gehenlassen in mir auslöst, gibt mir nur den Anstoss, mich auf die nächste Ecke unseres Hauses zu stürzen…
Ja, es muss wohl der Herbst sein, der mich antreibt.
Anstatt Äpfel pflücke ich Dinge, anstelle von Bäumen und Feldern leere ich Regale und Schränke. Ich erahne die kommende Zeit des Rückzugs und spüre, wie wichtig es dann für mich sein wird, wirklich Platz zum Leben, zum Atmen und Machen zu haben.
Genau wie das Jahr sich zum Gehen wendet, und langsam alles abwirft, was es nicht mehr braucht, fühle auch ich mich -im Moment zumindest- bereit, Altes loszulassen und mich nach innen zu wenden. In den Kreis meiner Familie. In unser Zuhause. Und in mich selbst.